Freud und Leid liegen so nah beieinander und man muss sich mit beiden abfinden. So kann eine traurige Zeit mit einem frohen Erlebnis unterbrochen werden. Du bemerkst, die Welt zeigt dir ein anderes Gesicht und du schätzt dieses Erlebnis umso mehr, weil es dir Auftrieb gibt in einer trüben Zeit.
Immer im November, wenn Erinnerungen, wie bunte Blätter an dir vorbeiflattern und die Bäume kahl erscheinen lassen, dann ist auch die Zeit der Lesungen für mich. Die melancholische Stimmung schreibt die schönste Poesie. 

11. November 2017
11. November 2007

Verlassen

Er legte den Schleier
über die Sonne
und pflückte die Freude
aus ihrem Haar.

Er warf kalte Asche
auf blühende Träume
und ließ ihre Hand los
als Herbst es war.

© Gerti Kurth


Es gibt Zeiten, da läuft alles gut, das Leben ist lebens-und liebenswert. Man könnte die Welt umarmen. So geht es mir momentan. Ich könnte Bäume ausreißen, die Sterne runterholen und jedem eine Freude machen.Woran liegt das? Ich weiß es nicht und es ist auch nicht wichtig. Ich genieße einfach die Zeit und denke nicht, dass sie gewiss irgendwann wieder vorrüber sein könnte.

Bestimmt trägt dazu auch der Erfolg an meinen Lesungen bei und deshalb klickt auf den obigen Link. Er gehört zu den Glücksmomenten

Komm,
mach das Fenster auf,
lass die Sonne herein,
schmücke dich
mit dem Blau des Himmels,
atme den Duft des Windes,
breite die Arme aus
für die Freuden des Tages
und dann
komm zu mir!
   
© Gerti Kurth


Mecklenburg

Der Raps wirft seine gelbe Schürze übers Land.
Er lässt sie leuchten in der grünen Weite.
Die Seele hat die Flügel ausgespannt,
schwebt storchengleich über das Aufgereihte.

Ich seh die Hast auf Straßen weitereilen
und grüß die alten Baumalleen am Rand.
Die stolzen Kronen lassen mich verweilen
in der Vergangenheit, die uns verband.

Der Himmel spiegelt sich in Wasseraugen,
die schilfbewachsen mir entgegensehn.
und in Erinnerung an das Vertraute,
möcht ich nochmal die alten Wege gehn.

   © Gerti Kurth


APRIL


An diesen tristen Regentagen
such ich, auf Frühling eingestellt
der Liebe hoffnungsvolles Fragen
den Lichtstrahl, der die Welt erhellt.

Endlich reißt der Himmel auf
Sonne bricht durch schwarze Schleier
frisst die Wolkenberge auf
wächst ins Blau, wird zum Befreier.

Wärmt der Erde braune Kruste
öffnet sie und küsst das Grün
das so lange warten musste
um dem Dunkel zu entfliehn.

Ein Lächeln lockt sie aus der Seele
und verschönt so das Gesicht
lässt es frühlingsdurstig werden
und sehnsuchtsvoll wie mein Gedicht.

Gerti Kurth





Ich bin halt eine....

Bin eine Kleine,
doch nicht Allgemeine.
Tief in mir steckt ein Clown.
Ob jung, ob alt,
mich lässt nichts kalt,
auch wenn die Andern schaun.

Ein Luftikus, 
ein Fidibus
ein Kindskopf ohne Scham. 
Mal hoch hinaus,
mal gradeaus,
mich macht kein Ärger gram.

Mein Herz ist toll
und übervoll.
Es tanzt für dich Ballett.
Die Himmelsleiter
erklimmt es heiter
im musischen Duett.

Ich bin halt eine,
wie sonst wohl keine,
das macht mich intressant.
Willst du mich küssen,
dann sollst du wissen.
Ich liebe ohne Pfand.

                                                           
     
                                                      © Gerti Kurth

Karneval

Die ganze Welt im Abendkleid,
herausgeputzt und grell.
Das Dolce vita macht sich breit
und Lüste keimen schnell.

Küsse, die wie Feuer sind,
nur für den Augenblick bestimmt.
Die Nacht wird unbescheiden
und die Moral ist blind.

.© Gerti Kurth

Augen-Blicke

Ein ganzes Leben
verpackt
in einem Koffer.

Das Kind an der Hand
sucht sie die Lücke,
eine Lücke 
zur Menschlichkeit.

Nicht willkommen
in einem Land,
wo Freiheit
 kein Fremdwort ist.

Augen, deren Blicke
ins Herz gehen
und doch keine Türe öffnen.

Fremd sieht sie aus
in ihren Tüchern,
dem Mantel der Heimat.

Ihr ganzes Leben 
in einem Koffer
und das Kind an der Hand,
das sie nicht loslässt.

.© Gerti Kurth




Schnee

Der Tag erwacht
im Winterkleid,
unschuldig weiß
hält er's bereit.
Der Mensch sieht es
vom Glück beseelt,
bemerkt nicht, dass
so manches fehlt.
Der Schnee verdeckt
das Leid, den Gram,
was früher mal zutage kam.

Doch wenn die  kalte Schönheit weicht,
im nassen Grau das Tal erreicht,
dann denk in dieser
tristen Zeit,
der Frühling hält sich
schon bereit.
Für ihn ist Schmelz aus
Eis und Schnee
 ein Labsal für den
frischen Klee.

.© Gerti Kurth